Wieder einmal ist nichts, aber auch gar nichts in Ordnung. Wieder einmal stehe ich mir selbst im Wege. Zweifele an allem und ziehe mich in mein Schneckenhaus zurück. Wieder ist mir alles zu laut und zu hektisch. Wieder einmal möchte ich aufgeben, einfach nicht mehr da sein. Wieder einmal versinke ich im Strudel der Depression. Und doch, ich lebe weiter! Immer weiter! Warum nur? Für dich, für unsere Tochter, für die Welt da draußen? Ich weiß es nicht! Im Haus ist es still. Ich liege im Bett und höre mein Herz schlagen. Du schläfst neben mir. Bist mir so nah und doch so fern. Einsamkeit die schmerzt. Ich bin müde, will endlich schlafen. Fahles Licht fällt durch das Dachfenster. Gegenstände, tagsüber vertraut, verändern sich. Nachts scheint mir alles noch bedrohlicher zu sein. Was ist das für ein komisches Knacken? Ich höre Worte, die ich nicht hören will. Schattenbilder ängstigen mich. Ich schließe die Augen wie ein Kind, das nichts sehen und nicht gesehen werden will. Plötzlich zucke ich zusammen. Eine eiskalte Hand berührt mich. Mein Herz rast, es stolpert, bleibt stehen. Was ist los, warum ist auf einmal alles so ruhig um mich herum? Fühlt sich so sterben an, oder träume ich? Ich fühle mich leicht und unbeschwert, wie lange nicht mehr. Atemzug für Atemzug entspanne ich mich. Ich bin nicht mehr im Schlafzimmer, sondern auf einer wunderschönen Wiese. Sehe den blauen Himmel, der sich schützend über mich wölbt. Lauer Sommerwind streichelt meine Haut. Zarte Elfen und Feen tummeln sich auf duftende Blüten. Sie tanzen in den Gräsern und schwingen sich elegant in die Lüfte. Ein Elf zwinkert mir schelmisch zu. Er bittet mich mit ihnen zu tanzen. Ich nicke und bewege mich vorsichtig um meine eigene Achse. Es fällt mir schwer mich fallen zu lassen. Obwohl, eine von ihnen zu sein, würde mir gefallen. „Tanze kleines Mädchen. Drehe dich im Kreis und spüre den Wind in deinen Haaren. Vergiss die Angst, hier bei uns bist du frei“, wispert eine Fee. Sie kommt mir ganz nah, umkreist mich. In ihren Augen sehe ich das Sonnenlicht. Lange blonde Haare berühren mein Gesicht. Ein Gefühl von Vertrautheit breitet sich in mir aus. Ich möchte sie spüren, diese Fee. Ich möchte sie anfassen, ihren Duft einatmen. Aber ach, es gelingt mir nicht. Ich weine. Dein Wecker klingelt. Unbarmherzig reißt mich das schrille Geräusch in die Wirklichkeit zurück. Mein Herz rast. Du musst gehen, ich weiß. Wieder einmal ist nichts in Ordnung. Und doch, ich werde weiter leben. Ich hab ja noch meine Träume.
Janne (veröffentlicht 03.03.2006)
Stille, nur langsam dringt das leise Brummen der Heizung in mein Bewusstsein.
Das neue Zimmer unter'm Dach. Etwas fremd noch, aber schön.
Es riecht nach Holz. Frischgestrichene Wände reflektieren das Tageslicht.
Dunkle Balken erinnern an den früheren Abstellboden.
Ein Dachfenster über dem Doppelbett.
Nacht's kann ich die Sterne sehen.
Jetzt ist der Himmel wolkenbehangen, wirkt bedrohlich und schwer.
Ich liege auf dem Bett. Arme und Beine weit von mir gestreckt.
Kraftlos, willenlos, nicht fähig mich zu bewegen.
Ich spüre meinen Herzschlag, laut und unerbittlich.
Es pocht in meinen Schäfen. Gedankenchaos, ängstliche Vewirrung.
Tränen laufen über mein Gesicht.
Da ist sie wieder, diese bittersüße Verlockung.
Grenzenlos, alles andere ist so weit weg.
Ich möchte schlafen, ganz tief und nie wieder aufwachen. Jetzt, in diesem Moment!
Ein neues Zimmer, ein neues Ehebett - welch trügerische Hoffnung.
Was wäre, wenn ich für immer schliefe, würdest du mich vermissen?
Quälende Zerrissenheit. Lähmende Traurigkeit. Selbstgespräch.
"Geht weg ihr trüben Gedanken, ich will euch nicht bei mir haben.
Meine es nicht so. Ich will ja leben, bin nur zu müde es wirklich zu tun."
"Steh auf, nun mach schon! Ich weiß du kannst es, hast es schon so oft bewiesen.
Denke an etwas Schönes. Das Leben ist zu kostbar um es zu verschwenden."
Du kommst die Treppe hoch.
Schnell richte ich mich auf. Trockne die Tränen. Atme ganz tief durch und
lächle dich tapfer an. Du siehst nachdenklich aus.
Setzt dich zu mir und nimmst mich in den Arm.
Behutsam küsst du mich in's Leben zurück.
Salz auf den Lippen.
Wir wissen es beide, ein neues Zimmer macht kein neues Leben.
Janne (veröffentlicht 30.12.2004)
Eine Freundin ist ein Mensch, bei dem man sich sicher, geborgen und verstanden fühlt.
Also, wenn du meine Freundin sein willst, wirst du das alles nicht bei mir finden.
Ich kann dir keine Sicherheit geben, weil ich selbst unsicher bin.
Du wirst dich nicht bei mir geborgen fühlen, denn ich suche meine eigene Geborgenheit.
Und wie willst du mich verstehen, wenn ich mich selbst nicht begreife?
Unsere Freundschaft stirbt in einer gekünstelten Nettigkeit,
weil ich nicht ehrlich zu dir sein kann.
Meine Angst, mich in dir zu verlieren, würde dich verletzen.
Nun sag mal ehrlich, ist das nicht viel zu anstrengend für dich?
Doch wenn in dir ein noch so kleiner Funke lächelnder Zuversicht erwacht
und du den Mut hast mich aus dieser Einsamkeit heraus zu holen,
dann schenke ich dir mit meiner Freundschaft eine höchst seltene Kostbarkeit.
Zuerst zeige ich dir meine Träume. Denn die sind mir sehr wichtig.
Du wirst die Geborgenheit einer Märchenwelt spüren. Dich auf einer einsamen
Sommerwiese wohl fühlen und in schneeweißen Wolken, die am blauen Himmel
entlang ziehen, viele schöne Dinge sehen.
Die Farbenpracht eines weit über die Landschaft umspannenden Regenbogens,
glitzerne Tautropfen auf kunstvoll gewebten Spinnenetzen und das leise Rieseln silberner
Schneesterne werden dich genauso ins Staunen versetzen wie mich.
Erst wenn wir zusammen träumen können, zeige ich dir wie ich wirklich bin.
Aber bitte sag nie:"Bleib hier!"
Dann werde ich gehen!
Janne (veröffentlicht 30.12.2004)
Schwierig diesem Anspruch gerecht zu werden.
Er scheint mir zu hoch und fordert zuviel
Gelassenheit, wenn ich stark sein muss?
Lachen, wenn mir zum Weinen ist?
Reden, wenn mir die Worte fehlen?
Und doch, die Zeit ist reif.
Der Traum, im Halbschlaf,
im frühen Erwachen,
zeigt mir wo ich steh.
Janne (veröffentlicht 30.12.2004)