Depressionen und depressive Zustände

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Diagnostik - Prinzipien und Methoden

Klinisch Einteilung der Depressionen

Klinisch unterscheidet man verschiedene Formen von Depressionen, z. B.:

Traditionelle Einteilung der Depressionen

Traditionell teilte man die Depressionen diagnostisch in drei Gruppen ein, nämlich in

Einteilung der Depressionen in den modernen Klassifikationssystemen

Heute werden Depressionen bzw. die verschiedenen "depressive Zustände" mit Hilfe "operationalisierter Klassifikationssysteme" (ICD-10 und DSM-IV) möglichst rein beschreibend und nach vorher festgelegten, manualisierten Kriterien und diagnostischen Leitlinien diagnostiziert und katalogisiert. Im Vordergrund der Betrachtung steht dabei nicht mehr die vermutete Ursache der Störung, sondern die Symptomatik, der Schweregrad und der zeitliche Verlauf.

Diagnostik nach ICD-10 (F32; F33)

Die ICD-10 unterscheidet grob zwischen

Das gemeinsame Kennzeichen jeder depressiven Erkrankung ist das sogenannte "depressive Syndrom", d. h. eine variable, aber dennoch charakteristische Ansammlung von Einzelsymptomen. Ein solches "depressives Syndrom" ist gemäss ICD-10 (S.141ff) gekennzeichnet durch:

 

Weder die typischen noch die zusätzlichen Symptome müssen für die Diagnosestellung einer depressiven Episode nach ICD-10 vollständig erfüllt sein. Man geht aber davon aus, dass mit steigender Zahl erfüllter Kriterien die Diagnose sicherer wird und der Schweregrad der Erkrankung höher ist. Ein somatisches Syndrom ist oft zusätzlich vorhanden und mit steigendem Schweregrad der Depression immer wahrscheinlicher. Die eigentliche Diagnosestellung erfolgt aber über die typischen und zusätzlichen Symptome.

In das Spektrum der leichten bis mittelschweren depressiven Episode fallen nach ICD-10 folgende ähnliche Begrifflichkeiten (sofern sie sich auf einzelne Episoden beziehen):

In das Spektrum der schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome fallen nach ICD-10 folgende ähnliche Begrifflichkeiten (sofern sie sich auf einzelne Episoden beziehen):

In das Spektrum der schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptome fallen nach ICD-10 folgende ähnliche Begrifflichkeiten (sofern sie sich auf einzelne Episoden beziehen):

Es gelten folgende diagnostische Algorithmen für die einzelne depressive Episode :

 

 

Zur Beurteilung des Schweregrades einer "rezidivierenden depressiven Störung" gelten zunächst dieselben Kriterien wie bei der einzelnen depressiven Episode

Da es sich definitionsgemäss um mehrere Krankheitsphasen handelt, muss die Beurteilung der jeweils aktuell vorliegenden Situation vor dem Hintergrund des bisherigen Krankheitsverlaufes erfolgen. Es gilt folgende Anweisung:

"Die rezidivierende depressive Störung kann...zunächst durch den Typus der gegenwärtigen Episode und dann, sofern genügend Informationen verfügbar sind, durch den bezogen auf alle Episoden vorherrschenden Typus bezeichnet werden." (ICD-10, S. 145)

Wie bei den einzelnen depressiven Episoden werden die rezidivierenden depressiven Störungen unterschieden in:

Zusätzlich gibt es (logischer Weise) die Diagnose:

Abweichend von der Diagnostik der einzelnen Episoden gilt:

Achtung!

Falls keine eindeutige Trennung von Krankheitsphasen möglich ist, muss die Kategorie

  • Sonstige rezidivierende affektive Störung (F38.1)

verwendet werden!

 

Das "somatische Syndrom":

Leichte und mittelschwere Depressionen können mit einem sogenannten "somatischen Syndrom" einhergehen, bei schweren Depressionen darf man generell davon ausgehen, dass ein solches zusätzliches Syndrom besteht. Es besteht nach ICD-10 (S.140)aus den folgenden Symptomen:

  1. Interessenverlust oder Verlust der Freude an normalerweise angenehmen Aktivitäten
  2. Mangelnde Fähigkeit, auf eine freundliche Umgebung oder freudige Ereignisse emotional zu reagieren (Anm.: affektive Schwingungsfähigkeit)
  3. Frühmorgendliches Erwachen; zwei oder mehr Stunden vor der gewohnten Zeit
  4. Morgentief
  5. Der objektive Befund einer psychomotorischen Hemmung oder Agitiertheit
  6. Deutlicher Appetitverlust
  7. Gewichtsverlust, häufig mehr als 5% des Körpergewichts im vergangenen Monat.
  8. Deutlicher Libidoverlust.

Für die Diagnoserstellung eines somatischen Syndroms müssen mindestens vier der oben genannten Symptome eindeutig feststellbar sein.

 

Merke:

"Die Differenzierung zwischen leichter, mittelgradiger und schwerer depressiver Epiosde beruht auf einer komplexen klinischen Beurteilung, die Anzahl, Art und Schwere der vorliegenden Symptome berücksichtigt" (ICD-10, S. 141)

 

Differentialdiagnose

Differentialdiagnostisch müssen v.a. ausgeschlossen bzw. berücksichtigt werden:

eine Demenz

eine andere körperliche Erkrankung, als deren Begleiterscheinung oder Folge sich die Depression entwickelt haben könnte

andere psychiatrische Störungen, wie

Komorbidität

Komorbiditäten, d. h. das gleichzeitige Vorhandensein von Depressionen und anderen psychischen Störungen sind häufig. Besonders häufig finden sich folgende Kombinationen:

 
 

Zuletzt aktualisiert: 03.02.2010