An die Therapie der Schizophrenie werden aufgrund des beschriebenen multikausalen Krankheitsverständnisses einige Ansprüche gestellt. Sie sei im Folgenden skizziert:
Die Pharmako-Therapie der Schizophrenie und der Psychosen ist wirkungsvoll, aber auch reich an unerwünschten Nebenwirkungen.
Hier sind an erster Stelle zu erwähnen die "Bewegungsstörungen" (Fachbegriff: Extrapyramidale Störungen (EPS) oder Dyskinesien). Sie entstehen durch die Blockade von Dopamin-D2-Rezeptoren in einem Hirnbezirk, der eigentlich nicht von der Medikation erreicht werden soll, leider aber trotzdem betroffen wird. Inzwischen gibt es aber neuere Neuroleptika, sogenannte atypische Neuroleptika oder kurz: Atypika, die überhaupt keine oder nur sehr geringe, zumeist dosisabhängige Bewegungsstörungen auslösen. Sie sollten in jedem Fall, wenn nicht zwingende Gründe (z.B. Kontraindikationen, komplizierte Akutsituation etc.) dagegen sprechen als Mittel der ersten Wahl eingesetzt werden.
EPS äussern sich wie folgt:
Spätdyskinesien treten in bis zu 20% der Langzeitbehandelten Patienten mit klassischen N. auf, selten nach Langzeitbehandlung mit Atypika!
Eine weitere, häufige und in der Bedeutung für den Patienten immer noch häufig unterschätzte Nebenwirkung vieler Neuroleptika
Gewichtszunahme unter N.-Therapie
Andere NW von Neuroleptika in Abhängigkeit von deren individuellem Wirk-Profil:
Als geeignete Psychotherapie der Schizophrenie kann, von Ausnahmen abgesehen, eigentlich nur die "supportive", d.h. stützende Psychotherapie empfohlen werden. Im Zentrum dieser Therapieform steht das "verstehende, einfühlende Gespräch", es geht vorrangig um die Etablierung einer stabilen, vertrauensvollen, tragfähigen therapeutischen Beziehung, die erst die Grundlage für jede spezifische Therapie darstellt. Ferner geht es v.a. in der Akutphase um die Vermittlung von Mut und Hoffnung, soweit dies angebracht ist, sowie um die Vermittlung eines für den Patienten verständlichen und auch akzeptablen Krankheitsmodells. Wo nötig und möglich erfolgt Beratung. So wird den Erkrankten und den Angehörigen z.B. davon abgeraten, während der Krankheitsphase wichtige Entscheidungen zu treffen. Überhaupt werden Angehörige soweit es der Patient gestattet in die Behandlung miteinbezogen und gut über die Erkrankung informiert (Psychoedukation)
Im weiteren Behandlungsverlauf, v.a. in der Rehabilitationsphase, wird von Seiten des Therapeuten darauf geachtet, dass der erkrankte Patient weder zu vielen, noch zu wenig stimulierenden Reizen ausgesetzt ist, um sowohl eine Über- wie auch eine Unterforderung zu vermeiden. Psychodynamische Ansätze werden neben verhaltenstherapeutischen Strategien in einem integrativen Therapieansatz vereint und schaffen günstigenfalls die richtige Mischung von verständnisvollem Klima und Tagesstrukturierung verbunden mit einem Training der sozialen Kompetenz .
An speziellen therapeutischen Konzepten kommen v.a. Programme zur Familientherapie zum Einsatz, die auf dem High-EE-Konzept basieren. Die allmähliche Beherrschung bzw. Neutralisierung von High Expressed Emotions in Familien schizophrener Patienten hat sich als besonders effektiv hinsichtlich der Verhütung von Rezidiven (erneuten Krankheitsausbrüchen) erwiesen.
Nicht oder nur in Ausnahmefällen zu empfehlen sind dagegen psychoanalytische oder systemische Familientherapie. Psychoanalyse scheint den Langzeitverlauf von Schizophrenien kaum wesentlich zu beeinflussen. Überforderung ist dagegen häufig!
Neuere verhaltenstherapeutische Ansätze sind für den Langzeitverlauf noch nicht ausreichend evaluiert. Einen positiven Effekt haben aber spezielle Trainingsprogramme zur Förderung der Kognitionen. Das gezielte Trainieren kognitiver Basisfunktionen, z.B. mit Computerprogrammen kann daher empfohlen werden.
Sinnvoll sind zudem Programme zur Stressbewältigung.
Das Ziel der Soziotherapie ist die Förderung sozialer Fähigkeiten (soziale Kompetenz) und Verhinderung von Defiziten.
Zuletzt aktualisiert: 03.02.2010